Was ist unser Auftrag?
Berufliche Zukunft und Arbeit für junge Menschen
In Nepal lebt ein Großteil der Bevölkerung von der Landwirtschaft, während nur wenige Menschen im verarbeitenden Gewerbe oder der Dienstleistungsbranche arbeiten. Die Löhne sind oft schlecht und viele Menschen finden gar keine Arbeit. Vor allem Frauen und junge Menschen sind von Arbeitslosigkeit betroffen. Festgefügte Rollenbilder verwehren vielen Frauen den Zugang zu Berufsausbildungen. Zusätzlich verhindern Frühverheiratung, Hausarbeit und die Kinderbetreuung ihre Chancen auf ein eigenes Einkommen. Für Jugendliche sind fehlende berufliche Qualifikationen ein Haupthindernis auf dem Weg zu einer Arbeitsstelle.
Mit diesem Projekt wollen wir jungen Frauen und Männern einen gleichberechtigten Zugang zu Berufsausbildung und menschenwürdiger Arbeit ermöglichen – und damit ihre Zukunftsperspektiven verbessern. Zu den Projektmaßnahmen gehören u.a. berufliche und unternehmerische Trainings, Schulungen zu Arbeitsrecht und Geschlechtergleichstellung sowie Kinderbetreuung während der Ausbildung. Bei der Auswahl der Teilnehmer:innen fokussieren wir uns besonders auf benachteiligte Bevölkerungsgruppen, die zum Beispiel einer bestimmten Kaste oder ethnischen Minderheit angehören und von Armut betroffen sind. Junge Frauen und Männer, in deren Haushalt Kinder oder Erwachsene mit Behinderungen leben, werden ebenfalls bevorzugt.
Maßnahmen:
- Berufliche Ausbildungen und unternehmerische Schulungen für junge Frauen und Männer
- Schulungen für Arbeitgeber zu Arbeitsrecht, Gesundheitsschutz und Geschlechtergleichstellung
- Angebote zur Kinderbetreuung für junge Mütter, die am Ausbildungsprogramm teilnehmen
- Finanztrainings, Zugang zu Spargruppen und Kleinkrediten
- Lese, Schreib- und Mathekurse
- Starthilfen zur Gründung von Kleinstunternehmen
- Bildung von Alumni-Gruppen zur Förderung des Austauschs und der gegenseitigen Unterstützung der Auszubildenden
- Aufklärung lokaler Autoritäten und Führungspersonen zu Gleichberechtigung und menschenwürdiger Arbeit
4%
der Nepalis brechen landesweit die Grundschule ab
550
Projektteilnehmer in Danusha und Sindhuli
70%
haben durch das Projekt eine Berufsausbildung abgeschlossen
Berufsausbildung und unternehmerische Schulungen
550 junge Menschen aus acht Projektgemeinden nehmen an Schulungen zur Stärkung ihrer unternehmerischen Fähigkeiten teil. Die Hälfte von ihnen macht anschließend eine berufliche Ausbildung, einschließlich eines Praktikums in einem lokalen Unternehmen. Am Ende erhalten die Teilnehmer:innen ein offizielles Zertifikat über ihren erfolgreichen Abschluss. So können sie jederzeit ihre beruflichen Qualifikationen für eine Arbeitsstelle nachweisen.
Unterstützung beim Einstieg ins Berufsleben
Alle ausgewählten 550 Frauen und Männer nehmen an Life-Skills-Trainings teil. Dort stärken sie ihre Kommunikations-, Verhandlungs- und Führungskompetenzen sowie ihre Fähigkeiten in Entscheidungsfindung, Stressbewältigung und Konfliktmanagement. Außerdem erhalten sie Coachings, die ihnen bei der Jobsuche helfen und den Einstieg ins Berufsleben erleichtern. Dabei lernen sie beispielsweise einen Lebenslauf zu schreiben und Vorstellungsgespräche zu meistern. Für Teilnehmer:innen mit geringen Kenntnissen im Lesen, Schreiben oder Rechnen bieten wir Lese-, Schreib- und Mathekurse an. Die jungen Frauen und Männer, die die beruflichen Ausbildungen absolvieren, nehmen zudem an Englisch- und Computerkursen teil.


Eine Erfolgs-geschichte
„Es war ein wahr gewordener Traum für mich, eine Ausbildung in einem Fach zu machen, das ich schon immer lernen wollte, aber nie konnte. Nach meiner Ausbildung habe ich viele Veränderungen an mir festgestellt. Mein Mentor hat mir geholfen, mein Selbstver-trauen zu stärken, und ich habe meine Kommunikationsfähig-keiten verbessert. Das Berufspraktikum hat mir dabei geholfen, eine Arbeitsstelle zu finden.“
Die 21-jährige Sushmita ist in einem kleinen Dorf im Distrikt Sindhuli aufgewachsen. Im Rahmen eines Plan-Projekts konnte sie eine Ausbildung zur Rezeptionistin machen, bei der sie auch Kurse in Englisch und allgemeinen Life Skills besuchte. Aber der Kurs, der ihr am meisten Spaß machte, war der Computerkurs. Im Anschluss an ihre Ausbildung absolvierte Sushmita ein Berufspraktikum und fand eine Anstellung als Rezeptionistin bei einem Sicherheitsdienst. Sushmita schickt nun regelmäßig Geld nach Hause, um ihre Familie in Sindhuli zu unterstützen, insbesondere ihren jüngeren Bruder, dessen Ausbildungskosten sie übernommen hat, damit auch er seine Schulausbildung fortsetzen kann.

Nothilfe nach Überschwemmungen und Erdrutschen
Im Herbst 2024 haben starke Regenfälle in 20 Distrikten Nepals schwere Schäden angerichtet. Laut der nationalen Behörde für Katastrophen waren 2,6 Millionen Menschen von den Überschwemmungen und Erdrutschen betroffen. 250 Menschen kamen ums Leben. Häuser, Schulen und Straßen wurden zerstört. Eine Grundschule mit integrierter Vorschule in unserer Projektregion Sunkoshi gehört zu den am schwersten beschädigten Schulen. Die Mehrheit der Schüler:innen stammt aus marginalisierten Gruppen, insbesondere aus indigenen Gemeinschaften oder der Dalit-Kaste, deren Angehörige in Nepal als „Unberührbare“ gelten. Ein Erdrutsch unterhalb der Schule hat beide Schulgebäude schwer beschädigt. Eine technische Begutachtung ergab, dass keines der Gebäude sicher genutzt werden kann. Nach intensiven Gesprächen mit der Schulgemeinschaft und lokalen Regierung wurde deutlich: Die Schule muss neu gebaut werden.
Was wir erreichen wollen
Ein neues, barrierefreies Schulgebäude mit vier neuen Klassenzimmern soll entstehen. Dazu kommen sanitäre Anlagen mit fließendem Wasser, Handwaschmöglich-keiten und einem sicheren Zugang zu Trinkwasser. Zum Schutz der Kinder wird das gesamte Gelände eingezäunt und eine Schutzmauer soll die Hanglage absichern. Die vorhandenen Möbel und Lernmaterialien werden, wo möglich, wiederverwendet und durch neue ergänzt. Bis zur Fertigstellung des Gebäudes wird ein temporärer Lernort eingerichtet, in denen die Kinder vorübergehend unterrichtet werden können. Das neue Schulgebäude wird Platz für bis zu 120 Schüler:innen bieten und schafft Raum für mehr Kinder aus der Umgebung.